Himmel über Hong Kong

Zwischen den dicht gedrängten Hochhäusern von Hongkong blieb nur ein schmaler Streifen Himmel übrig, wie ein vergessener Spalt zwischen zwei Buchseiten. Ich legte den Kopf in den Nacken und hatte sofort das Gefühl, in einen urbanen Brunnen zu starren. Irgendwo über mir flatterte eine Plastiktüte majestätischer als jeder Adler, den ich je gesehen habe. Gleichzeitig rief unten jemand laut etwas, das klang wie eine Mischung aus Bestellung und Lebenskrise. Ein Fenster ging auf, und plötzlich tropfte Wasser herunter – ich beschloss spontan, dass es bestimmt nur „Himmelsfeuchtigkeit“ war. Neben mir machte ein Tourist genau denselben Blick nach oben und nickte ernst, als hätten wir gerade etwas Tiefgründiges erkannt. Am Ende gingen wir beide weiter, ein bisschen beeindruckt und ein bisschen verwirrt davon, wie groß selbst ein winziges Stück Himmel wirken kann.